18.11.2018
Gemeindeverwaltung Wielenbach · Peter-Kaufinger-Straße 10 · 82407 Wielenbach

Geschichte von Wilzhofen

Frühzeit

Der Ortsbereich ist seit der Keltenzeit besiedelt. Eine große Zahl von Hügelgräbern hinter der Mühle, auf den östlichen Höhen und nördlich des Ortes lassen auf relativ hohe Bevölkerungsdichte bereits vor 3000 Jahren schließen. Die Römer errichteten auf dem Hollerberg einen Wachturm, der gute Sicht über die nahen Fernstraßen erlaubte. 1923 wurden am Hinterfeld römische Grablegungen entdeckt. Terassen am Hochufer des Grünbaches werden auf römischen Weinbau zurückgeführt. Bei der Untersuchung von Luftbildern wurden nahe beim Ort liegende Spuren eines Tempels entdeckt. 

Mittelalter und Neuzeit

Im Mittelalter entstand nördlich der heutigen Kirche eine Burg, deren Spuren (laut Pähler Chronik)  im 19. Jahrhundert noch erkennbar waren, heute aber vollständig verschwunden sind. Als Besitzer der Burg werden 1173 erstmals die Edlen von Wittelshofen genannt, ein angesehenes und weit verbreitetes Adelsgeschlecht. Das Wildschwein aus ihrem Wappen ist heute im Wielenbacher Wappen enthalten. 1356 ging das Gut der Wittelshofener durch Kauf in den Besitz des Georg Meilinger von Schönleinsberg über. Dieser veräußerte dieses 1368 samt aller Rechte an der Kirche weiter an das Kloster Polling.

Über Jahrhunderte hinweg bestand der Ort aus 16 Anwesen. davon gehörten 11 direkt dem Kloster, drei der Wilzhofener Kirche, also letztlich ebenso dem Kloster. Ein Hof ( "Dosch") war Eigentum des Besitzers, der "Häuslmann", ein sog. Leerhaus, gehörte zum Kastenamt Weilheim. Auffällig ist, dass die Höfe im Mittel wesentlich größer sind als in Wielenbach. Vier Drittel- und drei Halbe Höfe zeugen von großem Wohlstand.

1803 wurde der Klosterbesitz verstaatlicht. Erst 1910 konnte der letzte Hof in privates Eigentum übergehen.

Wilzhofen war zunächst eine eigene Gemeinde, wurde aber wenige Jahre nach der Säkularisation Gemeindeteil von Wielenbach. Ein Antrag auf Eigenständigkeit wurde 1949 von der Staatsregierung abgelehnt. Der Bevölkerungsstand von ca. 100 Seelen stagnierte zunächst. Der Bau der Eisenbahnlinie Tutzing-Unterpeißenberg und die Privatisierung von Grund und Boden führten zu einem langsamen Wachstum, welches erst nach dem 2. Weltkrieg mit dem Zuzug von Heimatvertriebenen an Rasanz zunahm.

Plan von Wilzhofen um 1806

Geschichte der Pfarrei

Laut Urkunden existierte seit 1368 eine eigene Pfarrei, bis 1500 Pfarrer sind in Wilzhofen nachgewiesen. Danach wurde die Seelsorge vom Kloster Polling versehen. 1806 wurde Wilzhofen der Pfarrei Pähl zugeschlagen. Hier waren wohl die beträchtlichen Zehent Einnahmen ausschlaggebend. Da Wielenbach zwar wesentlich näher lag aber nur Kuratie war, war der Einfluss des Pähler Pfarrers wohl ausschlaggebend.

Am 1.1.1964 übernahm der Wielenbacher Pfarrvikar Werner Huß zunächst vertretungsweise die Seelsorge in Wilzhofen. Am 25.2.1964 wurde Wilzhofen dauerhaft mit der Pfarrei Wielenbach verbunden.

Die heutige Kirche wurde 1631 eingeweiht. Kirchenpatron ist St. Valentin, der 269 n.C. den Märtyrertod starb. Valentinskirchen gibt es in unserer Gegend sonst nicht.

Ansicht von Wilzhofen ca. 1870

Schulunterricht

Der Schulunterricht wurde bis 1821 im zur Kirche gehörigen Hirthaus unterrichtet. Die 15 bis 20 Schüler waren nur sehr notdürftig mit Lehrern versorgt, die Leistungen waren bei einer Visitation 1810 entsprechend. Ab 1821 mussten die Wilzhofener Kinder daher in Wielenbach zur Schule gehen. In einem langen Brief, der zwar von Wilzhofener Bauern unterschrieben, jedoch mit lateinischen Floskeln überhäuft war und auch vor Lügen und Diffamierungen des Wielenbacher Kuraten nicht zurückschreckte, erreichte der Pähler Pfarrer, dass die Kinder ab 1844 den wesentlich längeren Weg nach Pähl in Kauf nehmen mussten. Hintergrund war, dass die reichen Wilzhofener Bauern das Schulgeld regelmäßig bezahlten und eine Stiftung von 10 Gulden für arme Schüler existierte! Da in dem Brief die Gefährlichkeit des Schulweges, insbesondere der Überschreitung des Grünbaches angeführt war, durften die Schulkinder aus Häusern südlich des Baches nach Wielenbach zur Schule. Die großen reichen Höfe lagen freilich nördlich. Bürgermeister Zöbele (ein Wilzhofener!) erreichte, dass nunmehr alle Kinder ab dem Schuljahr 1956/57 die neugebaute Wielenbacher Schule besuchen durften.

Auch für diesen Beitrag zur Geschichte von Wilzhofen hat sich Herr Siegfried Schwaiger zur Verfügung gestellt. Die Gemeinde Wielenbach möchte sich dafür recht herzlich bedanken.

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