15.12.2018
Gemeindeverwaltung Wielenbach · Peter-Kaufinger-Straße 10 · 82407 Wielenbach

Geschichte

Steinzeit

Das Gemeindegebiet von Wielenbach ist bereits seit vorgeschichtlicher Zeit besiedelt.

Steinzeitliche Siedlungensspuren wurden zwar nicht gefunden, der Fund eines Steinbeiles beweist jedoch, dass bereits vor etwa 5000 Jahren Jäger unser Ortsgebiet besuchten.

Bronze- und Eisenzeit

Siedlungsspuren und keltische Hügelgräber zeugen von einer bereits relativ großen Bevölkerungsdichte vor etwa 3000 Jahren. Allerdings wurde die Gegend um Wilzhofen und die trockenen Hügel des Hardts gegenüber dem damals von Mooren umgebenen Gebiet des heutigen Ortes Wielenbach als Siedlungsgebiet bevorzugt.

Dr. Julius Naue öffnete zwischen 1883 und 1886 in diesem Gebiet 53 Grabhügel. Die in den Gräbern enthaltenen Beigaben gehören zum Gründungsinventar des prähistorischen Museums in München, dessen erster Direktor Naue war.

Die Grabhügel stammen teilweise aus der späten Bronzezeit, die meisten jedoch aus der Hallstadtzeit (Frühe Eisenzeit, Beginn ca. 700 v. C.). Viele dieser Grabhügel sind heute zerstört, einige im Südosten der Hardtsiedlung noch sehr gut erhalten. 

Römerzeit

Verschiedene Ausgrabungen zeugen davon, dass auch die Römer nach der Eroberung des Voralpenlandes 15 v. C. unsere schöne Gegend zu schätzen wussten. Etwa 200 n. C. wurde durch Kaiser Septimius Severus der Bau der Via Raetia veranlasst, welche vom Brenner über Scharnitz und Partenkirchen nach Augsburg führte. Diese Straße ging mitten durch den Bereich des späteren Ortes Wielenbach. Etwa in der heutigen Ortsmitte knickte die Straße nach Westen ab, verließ beim Kirchlein St. Johann die Filzen und führte dann nach Augsburg. Etwa beim Dietlhofer See zweigte eine Straße ab, welche nach Wilzhofen und weiter über Fischen nach Gauting führte.  

Im Ort Wielenbach sind keine römischen Siedlungsreste nachgewiesen. Eine Straßenstation ist jedoch wahrscheinlich.

Der Kirchenpatron St. Peter lässt eine Kirchengründung schon in der Römerzeit vermuten. Der Ort Wielenbach ist also wohl rund 1800 Jahre alt.

Sicher ist die Existenz einer Villa Rustica im Bereich der heutigen Hardtsiedlung und eine Besiedlung des Ortsbereiches Wilzhofen. 1923 wurden am Hinterfeld römische Grablegungen entdeckt. Am Hollerberg befand sich vermutlich eine Befestigungsanlage und auf der Anhöhe nördlich des Grünbaches ein Tempel. Bei der Bevölkerung kann es sich dabei um Kelten handeln, da römische Kultur und Begräbnisbräuche von den eroberten Völkern meist schnell übernommen wurden.

Plan der Via Raetia

Das frühe Mittelalter

1965 stieß man beim Verlegen von Kabeln im Wielenbacher Osten auf Tuffplattengräber des frühen Mittelalters. Die ersten Grablegungen erfolgten im späten 7. Jahrhundert. Da auch beim Kirchenumbau solche Gräber gefunden wurden, darf man annehmen, dass im Jahr 700 zwei Siedlungszentren mit Kirchen existierten.

Es handelte sich dabei wohl um zwei große Gehöfte, welche vermutlich im Besitz von Ministerialen waren. Adelige mit einer Burg gab es hier sicher nicht.

Die Plattengräber am Fundort
Fibel als Grabbeigabe

Spätmittelalter und Neuzeit

Über die folgenden Jahrhunderte sind nur Spekulationen möglich: Wahrscheinlich ist, dass Wielenbach bereits sehr früh Besitz der bayerischen Herzöge war, vielleicht schon zur Zeit der Agilolfinger. Das erste Urbar der Wittelsbacher, welches um das Jahr 1230 entstand, zeigt, dass der Ort mitsamt seiner Kirche ganz in Herzogsbesitz war.

Dem Wittelsbacher Otto II gehörten im damals Wulpach (über das u wurde ein ° geschrieben, der Ort wohl Wualboch oder Wualaboch gesprochen) genannten Ort eine Mühle, ein ganzer Hof und 10 Viertelhöfe.

Otto II ("der Erlauchte") schenkte laut Urkunde vom 1.8.1244 (erste urkundliche Nennung Wielenbachs!) die Kirche, den Widumhof und die zugehörigen Einkünfte dem Kloster Wessobrunn. Dies hatte für die Einwohner des Ortes für die nächsten 636 Jahre schlimme Folgen.

 

Schenkungsurkunde

Die Seelsorge sollte in Wielenbach durch den Pfarrer von Weilheim erfolgen, was nur sehr eingeschränkt geschah. Das Kirchengebäude wurde sträflich vernachlässigt. Als Wessobrunn eine neue Kirche im verschwenderischen Barockstil erbaute, war die Wielenbacher Kirche dem Einsturz nahe. Auch die Frühmessstiftung der Wielenbacher im Jahr 1516 brachte keine Besserungen. Die Einnahmen aus dieser Stiftung reichten zum Unterhalt eines eigenen Geistlichen nicht aus und wurden im Jahr 1600 dem Weilheimer Pfarrer zugeschlagen. Erst 1780 konnten sich die Wielenbacher durch einen Streit, der sie 1100 Gulden kostete, einen eigenen Seelsorger erkämpfen. Allerdings mussten sie denselben selbst versorgen. Die Einnahmen aus Widum, Kirche und Frühmessstiftung verblieben ohne Gegenleistung  weiter dem Weilheimer Pfarrer und dem Kloster! Der Wielenbacher Kurat sollte obendrein noch in Weilheim predigen und die Beichte halten! Erst 1865 wurde Wielenbach ganz von der Parrei Weilheim abgetrennt und selbstständig.

Der Entwicklung des Dorfes hatte die mangelhafte Seelsorge jedoch keinen Abbruch getan. 1567 besaß das Dorf 50 Höfe, 22 Bauern und 28 Söldner - fast alle im Besitz des Landesfürsten. Das Dorf wuchs im Laufe der nächsten Jahrhunderte nur langsam an auf schließlich 56 Höfe. Erst zur Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Grund in Privateigentum überging, wurden durch Verkauf von Grund und Boden weitere Ansiedlungen möglich. Die Bevölkerungszahl, welche über Jahrhunderte hinweg bei 300 bis 350 lag, stieg auf etwa 500 an, die Zahl der Gehöfte auf über 70.

Weitere starke Veränderungen brachte erst das Kriegsende durch den Zuzug von 356 Heimatvertriebenen. Wie überall hat sich die Struktur des Dorfes seitdem wesentlich gewandelt. Die Zahl der Landwirte ging stark zurück. Wielenbach wurde weitgehend zur Wohnsiedlung. Zur Zeit haben im Ort Wielenbach gut 2000 Einwohner ihren Hauptwohnsitz. In der gesamten Gemeinde mit den Ortsteilen Wielenbach, Wilzhofen, Hardt, Haunshofen und Bauerbach beträgt die Einwohnerzahl etwa 3130. 

Dieser Beitrag zur Geschichte von Wielenbach wurde von Herrn Siegfried Schwaiger zur Verfügung gestellt. Die Gemeinde Wielenbach möchte sich dafür recht herzlich bedanken.

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